Zwischen Bürgerrechten und Vietnamkrieg: Martin Luther Kings folgenreiche Positionierung von 1967
1. Einleitung Jeder kennt „I Have a Dream.“ Das Bild von Martin Luther King vor dem Lincoln Memorial, die Menschenmenge, der Traum von Gleichheit für jeden Menschen. Das ist der Martin Luther King, den wir in der Schule lernen, den Städte in Straßennamen ehren, den Unternehmen in ihren Gedenk-Posts zitieren. Der Mann, der versöhnt statt spaltet und an das Gute in Allen appelliert. Aber kaum jemand kennt die Rede, die King selbst für seine wichtigste hielt. Am 4. April 1967 stand King in der Riverside Church in New York und griff etwas ganz anderes an: den Vietnamkrieg. Keine versöhnliche Vision mehr, sondern eine scharfe Abrechnung mit dem Krieg, mit den Prioritäten der USA und indirekt mit einem Präsidenten, der ihm gerade erst zu seinem größten politischen Erfolg verholfen hatte. Nur drei Jahre zuvor hatte King neben Lyndon B. Johnson gestanden, als dieser den Civil Rights Act unterschrieb. Nach außen wirkten King und Johnson wie ein eingespieltes Duo, das gemeinsam Geschichte schrie...