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Responsibility to Protect – Entwicklung, Umsetzung, Bewertung

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1. Einleitung 100 Tage, 800.000 Tote und eine Weltgemeinschaft, die tatenlos zusah (vgl. Reuß 2014, S. 1). Der Völkermord in Ruanda im Jahr 1994 markiert eines der dunkelsten Kapitel der jüngeren Geschichte und wird als Versagen der Internationalen Gemeinschaft gewertet. Während die Weltöffentlichkeit via Fernsehen Zeuge der Gräueltaten wurde, verhinderten bürokratische Hürden und ein Mangel an politischem Willen ein rechtzeitiges Eingreifen (vgl. Deutscher Bundestag 2007, S. 6-12). Doch wie konnte es dazu kommen, dass das völkerrechtliche Prinzip der staatlichen Souveränität schwerer wog als der Schutz von Hunderttausenden Menschenleben? Aus der Erkenntnis dieses Versagens entwickelte die von der kanadischen Regierung eingesetzte Kommission (ICISS) im Jahr 2001 ein neues Verständnis internationaler Verantwortung: die Responsibility to Protect (R2P) (vgl. Werkner 2019, S. 4). 1.1 Das Spannungsverhältnis zwischen Souveränität und Menschenrechten Das Spannungsverhältnis zwischen st...

Mehr als ein Traum: Martin Luther King und die komplexe Didaktik der Menschenrechtsbildung in der Sekundarstufe 1

Ein Beitrag von Fartun Sheikdon und Gül Dilek In den Lehrplänen der Sekundarstufe 1 (Sek 1) ist Martin Luther King Jr. (MLK) eine feste Größe. Oft wird er jedoch auf seine berühmte Rede „I Have a Dream" und ein idealisiertes Bild des gewaltlosen Widerstands reduziert. Doch wie lässt sich sein Einsatz für Bürgerrechte didaktisch so begründen, dass er über eine rein biografische Erzählung hinausgeht? Wie können wir MLK nutzen, um Fragen von sozialer Ungleichheit, strukturellem Rassismus und politischer Mündigkeit in heterogenen Klassen zu thematisieren? 1. Hintergrund und Zielsetzung Ausgangspunkt für diesen Beitrag ist die Erkenntnis, dass Menschenrechtsbildung (Human Rights Education, HRE) oft vor der Herausforderung steht, abstrakte Rechte in die Lebenswelt von Jugendlichen zu übersetzen. Im Verlauf unseres Seminars im Sommersemester 2026 stellte sich die Frage, wie historische Figuren wie MLK als „konkrete Zugänge" dienen können, um zu zeigen, wie Menschen Ungerechtigkeit o...

Satyagraha 2.0: Was die Klimabewegung von Gandhis gewaltlosem Widerstand lernen kann

Ein Beitrag von Emma Aupperle und Charlotte Schröfel Die Klimakrise ist eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Wissenschaftliche Erkenntnisse weisen seit Jahrzehnten auf die weitreichenden Folgen der globalen Erwärmung hin, dennoch werden politische Maßnahmen von vielen Aktivistinnen und Aktivisten als unzureichend wahrgenommen. Vor diesem Hintergrund haben sich weltweit Klimabewegungen wie Fridays for Future oder die Letzte Generation gebildet, die durch Demonstrationen, Protestaktionen und Formen des zivilen Ungehorsams auf die Dringlichkeit des Problems aufmerksam machen wollen. Besonders die Aktionen der Letzten Generation haben in Deutschland eine intensive Debatte über die Legitimität von Protest ausgelöst. Dabei berufen sich Teile der Bewegung ausdrücklich auf historische Vorbilder des gewaltfreien Widerstands wie Mahatma Gandhi oder Martin Luther King Jr. (Zinken 2022). Dies wirft die Frage auf, inwieweit Gandhis Konzept der Satyagraha tatsächlich als Vorbild ...

Menschenrechtsbildung in der Sonderpädagogik am Beispiel von Mahatma Gandhi

Ein Beitrag von Pauline Döbereiner und Leonie-Sofie Krische Wie lässt sich der Einsatz Gandhis für Menschenrechtsbildung in der Sonderpädagogik didaktisch begründen und wo liegen seine Grenzen? 1. Hintergrund und Zielsetzung Ausgangspunkt dieses Beitrags war die Beschäftigung mit Mahatma Gandhi im Seminar „Menschenrechte in Aktion (Gandhi, MLK, Mandela…)“ im Sommersemester 2026, in dessen Verlauf sich die Frage stellte, wie sich Gandhi in den unterschiedlichen Bildungsgängen unterrichten lässt. Im Zentrum steht dabei nicht ein fertiges Unterrichtsmaterial, sondern die didaktische Frage, wie sich Gandhi für die Menschenrechtsbildung mit einer heterogenen Lerngruppe im sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Körperliche und motorische Entwicklung (KMENT) im Bildungsgang Förderschwerpunkt Lernen nutzen ließe. Der Fokus liegt hier also auf der Menschenrechtsbildung, und Gandhi wird als konkreter Zugang genutzt, als historische Figur, an der sich zeigen lässt, wie Menschen Ungerechtigkeit oh...